Betriebsärzte / Betriebsarzt

Betriebsärzte verfügen über eine Zusatzweiterbildung im Fachbereich Arbeitsmedizin. Zu ihrem Klientel gehören die Arbeitnehmer. Dabei wird auf die Wechselwirkung der Arbeit bzw. des Berufes auf die Gesundheit oder Krankheit eines jeden Angestellten eingegangen. Weitere Aufgabenfelder sind die Erstellung von Gutachten über arbeitsbedingte Erkrankungen und Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen in Betrieben. Wie alle Ärzte unterliegen auch die Betriebsärzte einer ärztlichen Schweigepflicht – auch dem Arbeitgeber gegenüber. Allerdings können Auskünfte gegeben werden, ob ein Angestellter für eine bestimmte Tätigkeit geeignet ist. Ein weiterer Tätigkeitsbereich ist die Entwicklung von Präventionsprogrammen und Konzepten für Gesundheitsförderung.
Es ist anzumerken, dass der Betriebsarzt eine beratende Funktion ausübt - folglich hat er kein Weisungsrecht und kann keinen Angestellten verpflichten, Anweisungen zu befolgen. Betriebsärzte üben Eignungs-, Vorsorge- und Einstellungsuntersuchungen aus.

Jeder Arbeitnehmer hat per Gesetz (Arbeitsschutzgesetz) Anspruch auf einen Betriebsarzt; und zwar in jedem Unternehmen ab einer Person. Dabei ist es egal, ob ein externer oder ein angestellter Arzt tätig ist. In der Regel arbeiten kleinere Betriebe mit einem externen Betriebsarzt zusammen und größere Unternehmen haben mehrere Betriebsärzte angestellt. Die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen sollten regelmäßig in bestimmten Abständen erfolgen. Diese beinhalten eine Anamneseerhebung, eine klinische Statusuntersuchung, ggf. eine laborchemische Blutuntersuchung inklusive einer Urinanalyse und die Durchführung bestimmter apparativer Methoden – beispielsweise regelmäßige Sehtests bei Beschäftigten mit überwiegender Bildschirmtätigkeit oder die Durchführung eines Röntgen-Thorax oder HIV-Tests bei Berufen mit Infektionsgefahr (Heilberufe). In der Regel reichen bis zum 50. Lebensjahr arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen durch den Betriebsarzt
in dreijährigen Abständen aus, danach sollten jährliche Kontrollen erfolgen.

Das Aufgabenfeld der Betriebsärzte ist vielseitig. Insgesamt umfasst es die Aufrechterhaltung und Förderung der Gesundheit und somit die Arbeitsfähigkeit der Angestellten. Dies sollte auf physischer, psychischer und sozialer Ebene erfolgen. Erkrankt der Arbeitnehmer, kann der Betriebsarzt Teilhabe an der Wiederherstellung der Gesundheit leisten. Im Rahmen des Arbeitsschutzes erfolgt eine individuelle Gefährdungsbeurteilung je nach Art und Weise der zu verrichtenden Tätigkeit und die Beurteilung einer ausreichenden Qualifikation. Das Hauptaugenmerk für die Betriebsärzte liegt dabei auf der Beurteilung der Arbeitsplatzeinrichtung und -gestaltung, der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel und deren richtiger Handhabe, der Gestaltung der Arbeitsabläufe und Arbeitszeit sowie der Wirkung etwaiger physikalischer, chemischer oder biologischer Einflüsse auf den menschlichen Körper. Der Betriebsarzt spielt auch eine wichtige Rolle bei der Integration behinderter Menschen in das Arbeitsleben. Betriebsärzte können erkrankte und behinderte Menschen bei der Rehabilitation oder stufenweisen Wiedereingliederung in das Erwerbsleben begleiten und ihnen beratend zur Seite stehen. Dabei sollte eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Betriebsarzt und dem Hausarzt oder den behandelnden Ärzten erfolgen. Weitere Tätigkeitsschwerpunkte sind die Sicherstellung der Arbeitsplatzhygiene, der Umgang mit Suchtproblemen bei Beschäftigten und die Durchführung von allgemeinen und speziellen sowie Reiseimpfungen. Des Weiteren führt er Einstellungsuntersuchungen durch. Als apparative Untersuchungsverfahren wenden Betriebsärzte in der Regel Fahrradergometrien (ggf. auch Spiroergometrien), Lungenfunktionsprüfungen und Hör- und Sehprüfungen an.
Jede arbeitsmedizinische Untersuchung endet mit einer ärztlichen Begutachtung. Nach den gesetzlichen Vorgaben lautet diese: a) keine gesundheitlichen Bedenken, b) keine gesundheitlichen Bedenken unter bestimmten Voraussetzungen, c) befristete gesundheitliche Bedenken oder d) dauernde gesundheitliche Bedenken. Auf den Bescheinigungen werden keine Diagnosen, Befunde oder Begründungen angegeben, da sie der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen.

Welche Qualifikationen müssen Betriebsärzte erlangen, um als solche tätig zu werden?

Grundvoraussetzung ist natürlich ein abgeschlossenes Medizinstudium. Dem folgt in der Regel (auf dem klassischen Weg) eine fünfjährige ärztliche Weiterbildung zum Facharzt/zur Fachärztin für Arbeitsmedizin. Diese beinhaltet eine 24-monatige Ausbildung im Fachgebiet Innere Medizin oder Allgemeinmedizin, 36 Monate in einer arbeitsmedizinischen Ausbildungsstätte und einen 360-Stunden-Kurs (unter anderem mit Themen über Arbeitsphysiologie, Arbeitspsychologie, Arbeitsmedizin, Ergonomie, Wirtschaft, Recht und Sozialversicherungswesen) innerhalb der 36-monatigen arbeitsmedizinischen Ausbildung. Nach abgeleisteter Prüfung und Erhalt der Facharztkompetenz Arbeitsmedizin ist eine Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Betriebsarzt möglich.
Es ist auch möglich, eine andere Facharztanerkennung zu erlangen. Dann ist jedoch eine vorherige Patientenversorgung Voraussetzung. Das heißt, ein Facharzt ohne solchen Patientenkontakt (beispielsweise ein Facharzt für Labormedizin) kann keine Zusatzbezeichnung Betriebsarzt erlangen. Je nach deutschem Bundesland variiert die notwendige Weiterbildungszeit, die zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Betriebsarzt absolviert werden muss.

Abschließend ist anzumerken, dass die gesetzliche Verpflichtung zur Bereitstellung eines Betriebsarztes dem Unternehmen nicht die Verantwortung für die Umsetzung des Arbeitsschutzes abnimmt – auch hier gilt, dass Betriebsärzte stets eine beratende Funktion ausüben. Rezepte oder Krankschreibungen kann der Betriebsarzt nicht ausstellen und darf vorhandene Krankschreibungen nicht auf Richtigkeit prüfen. Bei der Bestellung des Betriebsarztes oder der –ärzte ist der Betriebsrat einzubeziehen.